Projekt
Vision Salle Modulable
Von einer Idee zur Umsetzung
Michael Haefliger verfolgt seit Beginn seiner Intendanz bei LUCERNE FESTIVAL den grossen Wunsch, den Bereich Musiktheater und Oper stärker in die Konzepte des Festivals zu integrieren: Das Publikum müsste durch unterschiedlich konfigurierbare Bespielungsformen und Raumgestaltungen die Theaterwelten neu entdecken können, eine einzigartige Freiheit in der Gestaltung sowie die Verfügbarkeit von neuen Medien und Technologien sollte den Künstlern neue Gestaltungsmöglichkeiten eröffnen. Dieses Anliegen war bis anhin aufgrund der bestehenden Infrastruktur jedoch kaum umsetzbar. So ist die Vision für einen neuen eigenständigen Bau für Musiktheater gereift.
Im Jahr 2003 nahm Michael Haefliger erste Gespräche mit möglichen Gönnern auf, die sich grundsätzlich interessiert an der Realisation eines derartigen Projekts zeigten. Diese Kontakte wurden über mehrere Jahre kontinuierlich gepflegt. Es war klar, dass der Bau, genannt Salle Modulable, nur dann Wirklichkeit werden könnte, wenn die Baukosten von privater Seite getragen und ein detailliertes Betriebskonzept in Partnerschaft mit weiteren Luzerner Institutionen ausgearbeitet würde. Nach zahlreichen Gesprächen mit führenden Künstlern wie Claudio Abbado, Riccardo Chailly, Daniel Barenboim, Simon Rattle kam es im Februar 2006 zu einem entscheidenden Treffen mit Pierre Boulez in Baden-Baden. Pierre Boulez stellte Michael Haefliger ein älteres Konzept für eine Salle Modulable vor, welche für die OPERA BASTILLE in Paris entwickelt wurde, dann aber aufgrund von finanziellen Problemen scheiterte. Michael Haefliger nahm dieses Konzept nach Rücksprache mit Jürg Reinshagen, dem damaligen Präsidenten von LUCERNE FESTIVAL, und den Geldgebern zum Anlass, selbst eine Projektstudie für eine Salle Modulable beim Berner Architekten Max Schmid in Auftrag zu geben. Die musiktheatralische Dimension des ursprünglichen Pariser Projektes konnte in Folge mit der neu erarbeiteten Studie noch entscheidend verstärkt werden.
Im Juni 2007 fanden Gespräche mit den künftigen Partnern Luzerner Theater, Luzerner Sinfonieorchester und Hochschule Luzern – Musik sowie Vertretern von Stadt und Kanton Luzern statt. Die Idee sowie die erste Projektstudie stiessen bei allen Gesprächspartnern auf grosses Interesse. Am 31. Juli 2007 teilten die Geldgeber Michael Haefliger ihre Bereitschaft mit, die Projektierungsphase sowie den Bau der Salle Modulable mit einem Beitrag in Höhe von CHF 100 Millionen unter der Voraussetzung zu unterstützen, dass vor der Bauphase ein solides Betriebs- und Nutzungskonzept vorliege. Am 29. August 2007 wurde das Projekt Salle Modulable erstmals im Rahmen einer Pressekonferenz der Öffentlichkeit vorgestellt.
Die Salle Modulable soll, wie es der Name ausdrückt, in der Anordnung der Bühnen- und Zuschauerbereiche unterschiedlich konfigurierbar und hoch flexibel sein. Für Michael Haefliger steht fest, dass die Salle Modulable aus künstlerischer Hinsicht etwas noch nie Dagewesenes darstellen muss – ein Raum, der den Wünschen und Ideen von Komponisten und Regisseuren so wenig Grenzen wie möglich setzt und so dem Publikum einzigartige Erlebnisse ermöglicht. Es kann deshalb nicht genügen, sich an vorhandenen Vorbildern zu orientieren. Bis heute gibt es weltweit gesehen kein vergleichbares Konzept im Bereich des Musiktheaters. Die hohen Ansprüche an den neuen Raum sind somit von grosser Bedeutung für die Weiterentwicklung des Musiktheaters von morgen.
Die Programme der Salle Modulable sollen sich an ein regionales, nationales und internationales Publikum richten, welches nicht zuletzt auch gegenüber innovativen und zukunftsgerichteten Projekten aufgeschlossen ist. Durch die Schaffung einer Musiktheater-Plattform, die höchsten internationalen Ansprüchen genügt, soll sich der Kulturstandort Luzern für ein neues Publikum öffnen, welches seine Interessen vor allem im Bereich der Oper und des Musiktheaters wahrnimmt. Für Luzern würde dies vielfältige positive Auswirkungen haben. Der Ruf von Luzern als führende und innovative Kulturstadt würde massgebend weiterentwickelt.
Durch die Partnerschaft von LUCERNE FESTIVAL, Luzerner Theater, Luzerner Sinfonieorchester und Hochschule Luzern – Musik können mit der Salle Modulable Synergien in verschiedensten Bereichen genützt werden. Vor allem aber entsteht die bedeutsame Vernetzung zwischen Lehre und Praxis, da Ausbildung, Forschung, Produktion und Performance auf einem gemeinsamen Musikcampus stattfinden würden. Die Salle Modulable wird demnach nicht nur innovative Aufführungen, sondern auch neue Modelle der Ausbildung ermöglichen. Alle Partnerorganisationen können sich dank der unmittelbaren Nähe auf allen Stufen laufend gegenseitig befruchten. Das sind einmalige Perspektiven, die es zu nützen gilt.
Mehr zur Vision des Musikcampus'
Drei Fragen an Michael Haefliger
Warum braucht es für Ihre Vision ein neues Gebäude in Luzern? Genügen die bestehenden Angebote wie KKL, Theater oder Südpol nicht?
Nein, die bestehenden Lokalitäten genügen aus verschiedenen Gründen dafür nicht. Sie sind nicht für Musiktheater konzipiert worden und würden selbst bei einer Aufrüstung den breiten Anforderungen nicht gerecht werden. Zudem wollen wir Lehre und Praxis eng miteinander verknüpfen. Damit dies gelingt, muss auch das räumliche Nebeneinander gegeben sein. Nur so können die Bereiche Ausbildung, Forschung, Produktion und Performance optimal voneinander profitieren und sich weiterentwickeln.
Was sind denn die speziellen Anforderungen, die die Salle Modulable erfüllen muss?
Der Raum muss eine variable Bestuhlung zulassen und eine bewegliche Bühne haben. Der Raum muss flexibel gestaltbar sein. Eine modernste multimediale Infrastruktur ist selbstredend. Zudem muss auch die gesamte Serviceinfrastruktur den Bedürfnissen angepasst sein. Experimentelle Darbietungen dürfen durch den Raum so wenig wie möglich eingeschränkt werden
Musiktheater, was muss man darunter verstehen?
Ein Musiktheater kann beispielsweise eine mit modernen Mitteln inszenierte Oper, eine Operette, ein Musical und oder ein Singspiel sein. Das Musiktheater lässt aber auch experimentelle Mischformen zu.